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Baugeschichte

Baugeschichte

In diesem Kapitel haben wir Ihnen die städtebauliche Entwicklung der Stadt Altenburg von den Siedlungsanfängen bis in die Gegenwart zusammengestellt.

Die Stauferzeit: Einführung

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Die "Staufer" waren ein schwäbisches Adelsgeschlecht, welches im 12. und 13. Jahrhundert schwäbische Herzöge und römisch-deutsche Könige und Kaiser hervorbrachte. Der Name kommt von Burg Hohenstaufen, gelegen am Nordrand der Schwäbischen Alb.

Der erste Staufer trug den Namen "Friedrich"; dieser zieht sich wie ein roter Faden durch das Adelsgeschlecht.

Historisch nachweisbar ist folgende Tatsache: Im Jahr 1079 belehnte Kaiser Heinrich IV. den Staufer Friedrich I. mit dem Herzogtum Schwaben und gab ihm seine Tochter Agnes zur Gattin. Die Jahre 1137 - 1254 werden allgemein als "Stauferzeit" bezeichnet.

Die Renaissance

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= Wiedergeburt, im Sinne von einer Wiederbelebung antiker Kunst und Gedanken

Die ehemalige bedeutende Reichsstadt Altenburg wurde in dieser Zeit immermehr zu einer Territorialstadt. Fehden der Landesherren, und nicht zuletzt deren Kriegszüge gegen die Hussiten, die sich im Jahre 1430 dafür schrecklich rächten, waren nur der Anfang. Plünderungen und Verwüstungen folgten. Verheerend wirkte sich der sogenannte "Bruderkrieg" zwischen Kurfürst Friedrich dem Sanftmütigen und Herzog Wilhelm III. in den Jahren 1445 bis 1451 aus. Altenburg hatte vermutlich noch ca. 2500 Einwohner. Zu dieser Zeit wurden auch die "Höhler" unter der Altstadt angelegt. Tunnelartige Gänge, die sicherlich Schutz boten, aber in erster Linie als Bierkeller dienten. Das im 14. Jahrhundert erreichte Mitspracherecht der Bürger mußte verteidigt werden und 1423 hatten sie durchgesetzt, dass alle Bürger das Braurecht erhielten. Viele Altenburger betrieben neben ihrem Gewerbe auch noch eine kleine Landwirtschaft als zusätzliche Einnahmequelle. Die Bannmeile von 1457 garantierte, dass nur die Kaufleute aus Altenburg im Umkreis einer Meile Waren kaufen und vertreiben durften. In der weiteren ökonomischen Entwicklung erfolgte dann allerdings eine Beschränkung dieser Privilegie.

Eine neue Klasse wuchs heran und etablierte sich - das Bürgertum. In Altenburg (bedingt durch die materielle Situation) erlebte die Baukunst den Aufschwung erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts.

Zeugen der Renaissance in Altenburg:

1470/71: Margaretha von Österreich ließ das Kanzleigebäude auf der Stelle zweier von ihr gekaufter Bürgerhäuser errichten

1562/64: Errichtung des Altenburger Rathauses

1592: Bau der Junkerei auf dem Schloßhof (ehemaliger Marstall)

16.Jh.: Umbauten am Pohlhof (siehe Giebelwand)

1583: das Eckhaus Brüdergasse 7 erhielt einen Runderker

 

Quelle: E.W.Huth: Altenburg (1981)

Der Barock

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"der" oder "das" Barock, kommt vom portugiesischen Wort "barocco" = seltsam geformte, schiefrunde Perle; im französischen "baroque"; im abwertenden Sinne gebraucht für etwas in der Kunst, das nicht dem frz. Kunstverständnis entsprach!

13.11.1603: Durch einen Teilungsvertrag (wettinisch-ernestinische Linie) entstand das selbständige Herzogtum Altenburg. Nicht förderlich für die wirtschaftliche Entwicklung, da die Etablierung des  Hofstaates und vor allem neu begonnene Baumaßnahmen Schulden zu Folge hatten. Eine große Belastung war der tobende 30jährige Krieg. Manufakturbetriebe wurden wirtschaftlich bedeutend, und die Gesellenbruderschaften (sozial und fortschrittlich) wurden 1667 verboten. Die nun existierenden Geselleninnungen verkamen mehr oder minder zu Unterstützungskassen. Es kam zu einer Geldentwertung, die Steuern wurden erhöht.

Trotz dieser Widrigkeiten war es die Zeit, in der grandiose Bauwerke in Altenburg entstanden.

Das hervorragendste Barockbauwerk ist sicherlich das Seckendorffsche Palais am Brühl. Es wurde nach Plänen des aus Leipzig stammenden Architekten David Schatz durch den bekannten Baumeister Johann Georg Hellbrunn errichtet. Ebenfalls muß das ehemalige Amtshaus in der Burgstrasse erwähnt werden. Der ursprüngliche Bau brannte 1725 ab, somit hatte nun Hellbrunn die Möglichkeit, das noch heute stehende Gebäude zu erbauen. Hellbrunn schuf ebenso Privathäuser.

Beispiele:

1710: Bachmannsches Haus, Burgstrasse 20
1717: Ehem. Brauersches Haus, Burgstrasse 24, "Haus Gotha", Burgstrasse 14

Typisch barocke Bauwerke in Altenburg sind:

1665: Magdalenenstift (erbaut als Witwensitz, seit 1705 Damenstift)
1706/12: Johann Heinrich Gengenbach schuf das Teehaus als Teil eines barocken Gesamtkonzeptes. Die Gebrüder Castelli waren maßgeblich an der Innenausgestaltung beteiligt.
1712/16: ebenfalls durch Gengenbach erbaut wurde die Orangerie

 

Quellen:

Untere Denkmalschutzbehörde, 2002 (Tag des offenen Denkmals)
E.W. Huth: Altenburg (1981)
Wolfgang Pohl und Gymnasium Wildeshausen

Klassizismus

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steht in der Bildenden Kunst (einschließlich Architektur) für die Nachahmung des klassischen Altertums. (Folgte dem Kunststil des Barock)

Es war eine bewegte Zeit - die Epoche der industriellen und der bürgerlich-demokratischen Revolution. Politische Aufgeschlossenheit und eine liberale Haltung kennzeichneten alle Schichten der Bevölkerung in Altenburg. Es entstanden bürgerliche Vereine und Gesellschaften. Altenburg wurde zur Industriestadt - neue Betriebe entstanden; 1842 wurde der erste Altenburger Bahnhof erbaut und Vorstädte eingemeindet.

Zitat E.W.Huth: " In der Zeit beginnender bürgerlicher Umwälzungen, die mit der französischen bürgerlichen Revolution von 1789 einen ersten Höhepunkt erreichten, entstand auch die ihr gemäße künstlerische Stilrichtung, der Klassizismus, welcher sich besonders in der Architektur und Innenraumgestaltung durchsetzte."

Zwei Gebäude sind heute noch besonders wertvoll:

1. Die Altenburger Loge "Archimedes zu den drei Reißbretern"

Schöpfer war der Baumeister Heinrich Wilhelm Schmidt in den Jahren 1802/1804. Ein klassizistischer eingeschossiger Bau mit bemerkenswertem Portal.(Vier Säulen tragen ein Giebeldreieck). Die Loge geht auf die Freimaurer zurück, die anfangs ihre Sitzungen in geschlossenen Räumen abhielten. (frz. = Logen). Der dazugehörige Garten wurde durch Pierer im Auftrag der Loge im Jahr 1802 erworben, und bereits 1804 folgte der Bau einer Kegelbahn. Es gab sogar ein Gemüsebeet und Obstbäume. Bei dem Versuch, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen, fand man einen Brunnen aus dem 15. Jahrhundert.

Kurzer Abriss der Geschichte:

31.01.1742: Gründung durch Albrecht Anton von Rüxleben und den Brüdern Johann Anton und Ludwig Heinrich Bachoff von Echt
1804: Einweihung
1842: 170 Mitglieder
14.11.1935: Auflösung und Enteignung
DDR-Zeit: Nutzung durch das Institut für Lehrerbildung (Seminar-und Speiseräume)
18.11.2000: Wiederaufnahme des Logenbetriebes

2. Josephinum (florentinisch)

Baumeister: Ämilius Schmidt

Eingeweiht am 01.11.1841 als Schulgebäude; der Name wurde vom regierenden Herzog Joseph abgeleitet. Ursprünglich Gymnasium und Schullehrer-Seminar (1841-1859) im Parterre der Schule, zog letzteres nach 20 Jahren in sein neues Domizil am Hospitalplatz. In der Aula fanden Sitzungen des Landtages statt.1892 hielt Prof. Ernst Haeckel einen vielbeachteten Vortrag. 1931, nach dem Auszug des Realgymnasiums, wurde das Josephinum eine Berufsschule für Mädchen. Nach dem 2. Weltkrieg bis zur Wende in der DDR fungierte das Gebäude als "Gewerbliche Berufsschule".

Folgende klassizistische Bauten sollen noch Erwähnung finden:

Brühl 7 (1830)
Johannisgraben 4 (1840)
Markt 14 (1837)

Quellen          

E.W.Huth: Altenburg (1981)
Wolfram G. Hohl: Das Logenhaus im Johannisgraben (Anzeiger vom 11.06.1992)
Prospekt der Altenburger Loge (Heiraten im Logenhaus zu Altenburg)
Text zum Josephinum, erarbeitet durch den Fremdenverkehrsverband
Altenburg, ohne Autorenangabe

Die Gründerzeit

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In Deutschland (auch in Österreich) war die wirtschaftliche Phase der Industrialisierung bis zum Börsenkrach 1873. Die Anfänge liegen in den 1840er Jahren, in denen das Bürgertum die kulturelle Führung übernahm.

In Altenburg entwickelte sich vor allem die Leichtindustrie, aber auch die Metall-und Eisenindustrie siedelte sich an. Förderlich wirkte sich die Erschließung des Meuselwitz-Rositzer Braunkohlereviers auf die industrielle Struktur der Stadt aus. Bekannt waren die Wollgarnfabriken, Hut- und Handschufabrikation hatten ihren festen Platz.

In der heutigen Altstadt wurden einige Häuser aufgestockt und ausgebaut, Miets- und Hinterhäuser prägten das Stadtbild. Große Bürgerhäuser wurden entlang neu angelegter Strassen errichtet.

Eine typische Strasse dieser Zeit ist die heutige Wettinerstrasse, die etwas vom Wohlstand ihrer ehemaligen Erbauer und Bewohner ahnen läßt.

An der Ecke Burgstrasse zur Friedrich-Ebert-Straße wird das Stadtbild dominiert durch ein ehemaliges Bankgebäude. Dieses attraktive Haus ist heute noch ein typisches Beispiel für Gründerzeitbauten!

Errichtet in den Jahren 1862/65 unter Baurat Enger nach Entwürfen von Giese und Schreiber aus Dresden. Die Fassadengestaltung erfolgte durch Albert Cremer und Hugo Stier im Stile der Neorenaissance. Prof. Otto Fritzsche war der Schöpfer der Plastiken auf der Balustrade. Die Inschrift auf dem Gebäude lautet: "Ernesti Ducis saxoniae auspiciis MDCCCLXV" (1865). Über dem Mittelbau wurde 1867 die Statue der Saxonia aufgestellt. Im oberen Stockwerk war die Altenburger Landesbibliothek, die allerdings 1945 die Räumlichkeiten verließ.

Quellen 

Wikipedia
E.W. Huth: Altenburg, 1981
Projektarbeit des Fremdenverkehrsvereins, ohne Datums-und Autorenangabe

DDR

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Die Stadt Altenburg erlebte 265 Fliegeralarme, aber sie überstand den 2. Weltkrieg relativ unbeschadet, trotzdem war ein Neuanfang nicht leicht. Ein Teil der Industriebetriebe (ab 1952: Kreis Altenburg) war stark beschädigt. 1944 flogen die Alliierten u.a. die DEA Rositz an und geplant war ein Angriff auf die HASAG und den Bahnhof. Diese Bomben fielen allerdings auf Rasephas. 1945 erfolgte der Hauptangriff auf die DEA, den Bahnhof und die Firma L.O.Dietrich. Die kleine Stadt Meuselwitz wurde dagegen zu etwa 85 % zerstört. (Industriebetriebe wie: HASAG, Industriekeramik, Gießerei u.ä.).

1958 begann der Wohnungsbau in Altenburg, damals entstand das Viertel auf dem Lerchenberg. Bis 1964 wurden hier immerhin 714 Wohnungen gebaut, die für die damalige Zeit doch recht komfortabel waren. Ebenso gehörte die neu erbaute Lerchenberg-Schule zu diesem neuen Stadtteil. Die Bebauung auf dem Sperlingsberg (ehemalige Erich-Weinert-Höhe) folgte wurde ebenso von 1958-1962 in Angriff genommen. Ein neuer Wassertum (1964-1968) versorgte den Stadtteil "Neue Welt" und das spätere Wohngebiet Altenburg-Südost nun kontinuierlich mit Wasser. 1968 wurde ebenfalls kräftig gebaut - Altenburg-Nord entstand, Altenburg-Südost folgte. Die 70er Jahren waren prägend für die Stadt. Für viele Bürger verbesserten sich die Wohnbedingungen, und mit der Errichtung der Volksschwimmhalle 1970 auch die Möglichkeiten sportlicher Betätigung. 1976 erhielt auch Altenburg eine Fußgängerzone im Marktbereich. Mit dem Bau des neuen Postgebäudes 1983 am Keplerplatz wurde ein ehrgeiziges Projekt in die Tat umgesetzt. Diese Umgestaltungsmaßnahmen waren aber immer mit Eingriffen, sprich Abrissen, in die historische Bausubstanz verbunden. In der Mitte der 60er Jahre wurde der "Klosterkeller" (eine historische Gaststätte) am Topfmarkt abgerissen. 1968 folgte die gesamte Häuserreihe Steinweg/Ecke Zeitzer Strasse. Noch in den 80er Jahren fanden Abrißarbeiten im Bereich Roßplan, Fleischer-und Hillgasse statt.

Die einstigen Stadtväter wollten große Pläne umsetzen.1973 erfolgte eine Überarbeitung des Generalbebauungs- und Generalverkehrsplanes, mit dem Ziel, die städtebauliche Umgestaltung Altenburgs zu realisieren.

Alle diese gutgemeinten Vorsätze und Pläne scheiterten letztendlich am real existierenden Sozialismus und seiner ewigen Mangelwirtschaft.

So bedeutete das Jahr 1989 auch für Altenburg im wahrsten Sinne des Wortes eine Wende.

Wendezeit

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Die Altenburger liebten und lieben ihre Stadt. So ist es interessant zu wissen, das bereits im Dezember 1989 ein Spendenkonto für die Erhaltung der Stadt eingerichtet wurde. Die Bürgerinitiative "Rettet Altenburg" forderte bereits im Februar 1990 einen Abrißstopp. Ebenfalls stark engagierte sich in dieser Problematik die "Aktion Katholischer Christen". Hilfe kam u.a. auch aus Baden-Württemberg, welches 750.000 DM für die Rekonstruktion des Nikolaiturmes und der Roten Spitzen zur Verfügung stellte. So konnte die Sanierung des Nikolaiturmes bereits im November 1990 abgeschlossen und der Turm am 30.03.1991 wieder geöffnet werden.

So begann bereits in den 1990er Jahren ein Sanierungsprogramm, das bis heute anhält. Einige Beispiele aus dem Jahr 1992:

  • ein Einkaufszentrum entstand in Altenburg-Nord
  • Grundsteinlegung für den Irish Pub
  • Forum zum Krankenhausneubau
  • Restaurierung des Haupteinganges im Schloss
  • rege Bautätigkeit am Roßplan
  • Grundsteinlegung für den neuen Schlachthof
  • erster Spatenstich für das Gewerbegebiet "Weißer Berg"
  • Grundsteinlegung für das Bahnhofcenter Altenburg

Dieses spontan ausgewählte Jahr Altenburger Geschichte zeigt eine Entwicklung, die bis in die heutige Zeit führt.

Viele Veränderungen zeigen sich deutlich in unserem Stadtbild. Ein Zeichen dafür, das die umfangreichen Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten Früchte getragen haben.

Als Beispiele seien einige Sehenswürdigkeiten erwähnt, die sich der Gast ansehen und bewundern kann.

  • der Altenburger Marktplatz
  • der Pohlhof
  • der Altenburger Bahnhof
  • das Dichterviertel aus den 1920er Jahren
  • Kunstturm
  • Landestheater
  • Schloßbereich (u.a. Prinzenpalais und Triumphbogen)
  • ganze Straßenzüge, wie z.B. Humboldtstrasse

Pläne existieren mittlerweile auch für die Umgestaltung des Bereiches um die Brüderkirche. Altenburg, die über 1000jährige Stadt, erwacht zu neuem Glanz aus alter Schönheit heraus.

Quellen 
E.W. Huth: Altenburg, 1981
Steffen Sell: Chronik der Stadt Altenburg,1995